Hoppla jetzt komm ich und stelle mich einmal vor.
Mein Name ist Astrid, ich bin 57 Jahre alt und lebe in der Nähe von Köln. Ich bin EU-Rentnerin. Aufgewachsen bin ich auf dem Land in einem kleinen Dorf mit etwa 600 Einwohnern. Dort habe ich mit meinen Eltern, meinen Großeltern, einer Schwester und zwei Brüdern gelebt. Zu meinen Brüdern habe ich keinen Kontakt mehr. Meine Großeltern und mein Vater sind leider schon verstorben.
Wie viele Kinder durchlief auch ich die Kindergartenzeit, bevor ich eingeschult wurde. Nach meiner Schulzeit verließ ich die Schule mit 16 Jahren und einem Hauptschulabschluss. Aufgrund meiner einfachen Verhältnisse begann ich gleich nach der Berufsschule im Alter von 18 Jahren als Produktionshelferin in einer Fabrik und arbeitete dort über zweieinhalb Jahre.
In dieser Zeit konnte ich jedoch nicht übersehen, dass ich mich im falschen Körper befand. Diese Erkenntnis führte mich dazu, mein wahres Leben in den Fokus zu rücken. 1993 entschloss ich mich, mich operativ äußerlich anzupassen, um der Stimme meiner weiblichen Seele zu folgen. Es dauerte ein Jahr und sechs Monate, bis alle Operationen abgeschlossen und die Wunden verheilt waren. Danach war ich bereit für mein neu gewonnenes Leben und den Arbeitsmarkt.
Leider fehlte es in dieser Zeit vielen Menschen an Toleranz, was mir jegliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt verwehrte. In meiner Not, Verzweiflung und Naivität fand ich schließlich eine Stelle in einer Bar, in der eine Unterhaltungsdame gesucht wurde. Von der Animation als Bardame stieg ich im Showgeschäft auf und bildete mich in über drei Jahren selbst aus. Schließlich war ich über zehn Jahre als eingetragene Artistin auf Deutschlandtournee und wechselte monatlich die Städte und die Cabarets, in denen ich als "Gynga aus Hamburg" aufgetreten bin.
Während meiner Zeit als eingetragene Artistin mit einem Reisegewerbeschein habe ich zwischen meinen Reisen und Auftritten für zweieinhalb Jahre als Kommissioniererin bei 4711 Kölnisch Wasser gearbeitet. Zudem habe ich eine Umschulung zur Friseurin begonnen, die ich jedoch leider aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste.
Meine Großmutter hat mir stets geraten, dass es nicht entscheidend ist, wo oder in welchem Beruf man tätig ist. Das Wesentliche ist, für sein Leben selbst Verantwortung zu übernehmen, Freude an der Arbeit zu haben und sein Geld auf ehrliche und respektvolle Weise zu verdienen.
Um ehrlich zu sein, habe ich bei dieser Art des Geldverdienens mir keinen Zacken aus der Krone gebrochen. Dennoch hat mir dieser Weg viel Stärke und Stolz verliehen. Denn für diese Reise gibt es keine passenden Schuhe – man formt sie sich mit Schmerz, Erfahrung und unermüdlichem Durchhaltevermögen.
Schließlich senkte sich der letzte Vorhang, und mit etwa 40 Jahren erloschen für mich die Lichter. Die Arbeit hatte mich schwer gezeichnet, was dazu führte, dass ich vorzeitig in den Ruhestand gehen musste. Heute lebe ich ein bescheidenes Leben in einer kleinen Stadt, rund 25 Kilometer von Köln entfernt.